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Dienstag, 6. März 2012

Rezension zu "Die letzte Wächterin" von Carina Bargmann



Verlag: Arena (Januar 2012)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: -, ab ca. 11-13 J.
Ausführung: Hardcover, 392 S.
ISBN: 978-3401064475
16,99 € [D]

Genre: Urban-Fantasy


Inhalt/Verlagsinfo
Als Lea das Medallion verliert, dass sie ihr ganzes Leben lang getragen hat, ahnt sie noch nichts von ihrer Bestimmung: Lea ist die neunte und letzte Wächterin. Ihre Aufgabe ist es, über den rastlosen Zeitstrom zu wachen, der die Licht- und Schattenstadt seit Jahrhunderten voneinander trennt.
Für Lea gibt es keinen Weg zurück, sie wird ihre Familie und ihr bisheriges Leben langsam vergessen müssen, um die Lichtstadt gegen die Schattenwesen zu verteidigen. Doch in dem magischen Reich ist niemand, wie er scheint, und Lea gerät in große Gefahr. Sie ahnt nicht, dass ihre Schwester Mia ihr in die gefährliche fremde Welt gefolgt ist, um sie zu retten. (Text- und Bildquelle: Arena Verlag)

Über die Autorin
Carina Bargmann, Jahrgang 1991, hat schon als Zehnjährige mit dem Schreiben angefangen. Mit fünfzehn hatte sie bereits zwei große Fantasyromane verfasst und wurde wenig später von einer der renommiertesten deutschen Literaturagenturen als Nachwuchstalent entdeckt. Neben dem Schreiben hat sie noch zahlreiche andere Hobbys, unter anderem ist sie fasziniert von der asiatischen Kultur und lernte Japanisch. Ihr erster Roman "Sayuri" erschien beim Arena Verlag. Carina Bargmann lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in Braunschweig.

Rezension

Der erste Satz: Der Siebenschläfer saß im Licht des Mondes auf dem Zaun eines Gartens und ließ seinen Blick über den grünen Rasen und das kleine Gemüsebeet bis hin zur Terrasse des Reihenhauses und zu seinen gelben Fassade gleiten.

Die 16-jährige Lea wird buchstäblich nachts aus dem Bett und von ihrer Familie fortgerissen. Fremde teilen ihr mit, dass sie eine Wächterin ist und für den Senat der Menschen, Elfen und Zwerge über deren Lichtwelt wacht.
Leas Zwillingsschwester Mia ist in dieser Nacht zufällig wach und wird Zeuge, wie ihre Schwester entführt wird. Dabei trifft sie auf den Jungen Awan, der mit seinem Volk, den Morih-Dämonen in der Schattenwelt leben muss. Awan kann zwischen Licht- und Schattenwelt wechseln und nimmt Mia mit zu sich nach Hause. In der Schattenwelt muss Mia erfahren, dass ein Krieg im Gange ist und die Dämonen zurück in die Lichtwelt wollen. Mias Schwester Lea schwebt als unerfahrene Wächterin in höchster Gefahr. Für Mia gibt es nichts Wichtigeres, als ihre Schwester zu suchen und sie zu retten. Obwohl es auch für Awan nicht gefahrlos ist, bietet er an Mia zu helfen. Nachdem ihre bekannte Welt nicht mehr existiert, ist Awan für Mia der einzige Halt, den sie noch hat.

Gibt es noch Fantasygeschichten, die es möglich machen, auf knapp 400 Seiten, komplett in eine fremde Welt einzutauchen? Ja, Carina Bargmanns "Die letzte Wächterin" ist solch eine Geschichte. Die Autorin bedient sich hier an den gängigsten Fantasywesen, Elfen und Zwerge, die Seite an Seite mit Menschen über eine Fantasywelt wachen, die von der Normalbevölkerung nicht als solche wahrgenommen wird. Die Gegenspieler, die Morih (Dämonen), sind zwar mit den Wächtern im Kampf, werden aber nicht als das Alles-Vernichtende-Böse dargestellt, sondern als zivilisiertes Volk, dessen größter Wunsch es ist, aus der Schattenwelt in die Lichtwelt zu kommen. Die Handlung ist vielschichtig, die Personen zahlreich. Da die Autorin ihre erschaffenen Welten aber hervorragend erklärt, versteht man sofort, was man liest. Aufkommende Fragen werden meist gleich oder im nächsten Kapitel geklärt. Einzig die Ähnlichkeit einiger Namen (Lea, Lia, Mia) regt kurzzeitig zum Nachdenken an.
Die handelnden Fantasywesen sind zwar bekannt, die Umsetzung und die Handlung macht das Buch jedoch sehr besonders. Elemente der Urban-Fantasy mischen sich mit High-Fantasy und die Beschreibung der Welten und Orte ist magisch märchenhaft. Insgesamt wirkt die Erzählung "wie aus einem Guss".

Es ist wunderbar, wenn es in einem Einzelband gelingt, dem Leser eine komplexe Welt zu präsentieren, in der schlussendlich keine einzige Frage offen bleibt. Ab Beginn ist die Handlung spannend und rasant. Mia und Lea erfahren schon im ersten Kapitel, dass unsere normale Welt, wie wir sie kennen, nicht existiert. Elfen, Zwerge und Menschen teilen sich eine Welt. Ab dem Zeitpunkt, wo den Schwestern dies klar wird, können sie ihr altes Familienleben nicht mehr weiterführen. Sie sind für Nachbarn, Freunde und sogar die eigenen Eltern Fremde geworden. Die Gefühle der Schwestern, bzw. der Trennungsschmerz ist vor allem bei Mia sehr gut beschrieben. Dadurch akzeptiert man auch als Leser die neue Situation der Mädchen fast sofort. Trotzdem bleibt diese plötzliche Umstellung, vom alten auf das neue Leben, etwas abrupt und hart. So etwas ist eben in der Realität kaum vorstellbar.

"Wir haben keine Wahl. Die Welt hat dich ausgesucht, du wurdest als Wächterin geboren. Es gibt Dinge, die man ändern kann, und Dinge, die man nicht ändern kann. Manchmal lohnt es sich zu kämpfen, manchmal kann man sein Schicksal nur akzeptieren." - S. 46

Entgegen der Meinung, die man aus dem Klappentext gewinnen würde, spielt eher Leas Schwester Mia die Hauptrolle der Geschichte. Der personale Erzähler wechselt zwischen den Schwestern hin und her. Die Gewichtung liegt hier aber deutlicher auf Mia, die ihre Schwester sucht und mit dem Morih-Jungen Awan unterwegs ist. In kürzeren Abschnitten liest man die Geschichte auch aus der Sicht von Awan, lernt so auch seine Sichtweise auf die Umstände und die Welt der Dämonen kennen. Insgesamt sind die drei Hauptprotagonisten sehr feinfühlig und schlüssig herausgearbeitet.
Ein wirklich erfrischender Umstand, ist, dass die Geschichte keinen besonderen Wert auf die Äußerlichkeiten der Charaktere legt. Zwerge werde als klein beschrieben, Elfen als groß. Ab und zu erhält man einen Hinweis auf Haarfarbe oder Staturmerkmale, wie Hörner oder Schuppen. Gerade darum, und weil die Geschichte einen komplett in ihre Welt entführt, hat man eine genaue Vorstellung der handelnden Personen. Diese Vorstellung wird nicht durch perfekte Beschreibungen zerstört. Die Geschichte behält ihren Fokus dort wo er sein soll - auf der Handlung.

Persönliches Fazit
"Die letzte Wächterin" Lea ist jung und unerfahren. Ihre Autorin ist zwar auch jung, aber bei ihrem zweiten Einzelband bleibt von Unerfahrenheit keine Spur. Die Maßstäbe für einen Jugend-Fantasyroman wurden hiermit ganz schön hoch gesetzt. Die Geschichte wirkte auf mich komplett stimmig und sehr spannend. Eine schöne Idee, überzeugende Charaktere und aus ausgewogener, nicht zu einfach gestickter, Plot sorgen für einige unterhaltsame Lesestunden. Meine Empfehlung, mit 4 gut bewachten Sternen.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de